24. Mai 2026
Zwischen alten Steinen, herzlichen Menschen und ganz vielen Überraschungen

Wenn uns vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass Albanien einmal zu unseren schönsten Familienreisen gehören würde, hätten wir wahrscheinlich nur gelächelt. Albanien? Wir hatten Bilder von grauen Betonbauten, wilden Straßen und einem Land im Kopf, über das man irgendwie nie wirklich etwas hört. Doch genau das machte uns neugierig.
Also entschieden wir uns für die Rundreise „Kultur und Tradition“ mit Stationen in Shkoder, Kruje und Korçe – und rückblickend können wir sagen: Diese Reise hat uns mehr berührt, als wir erwartet hätten.
Schon beim Landeanflug auf Tirana sahen wir die Berge, die sich dramatisch hinter der Stadt erhoben. Nina klebte mit der Nase am Fenster und sagte nur: „Das sieht irgendwie aus wie ein Abenteuerfilm.“ Genau so fühlte es sich an.
Shkoder – Die entspannte Stadt mit Seele
Unsere erste längere Station war Shkoder – und ehrlich gesagt waren wir sofort verliebt. Die Atmosphäre dort war komplett anders als in vielen südeuropäischen Städten, die wir kennen. Viel entspannter, weniger hektisch und unglaublich authentisch.
Besonders schön fanden wir die kleinen Cafés, die überall zwischen alten Häusern und Fahrrädern versteckt lagen. Ja, Fahrräder! Gefühlt fährt ganz Shkoder Fahrrad. Nina fand das großartig und wollte am liebsten direkt mitfahren.
Am Abend spazierten wir durch die Straßen und landeten zufällig in einem kleinen Familienrestaurant. Die Besitzer verstanden kaum Deutsch oder Englisch, aber irgendwie funktionierte alles mit Händen, Lächeln und ein paar albanischen Wörtern, die wir schon gelernt hatten. Genau diese Begegnungen machten die Reise besonders.
Das Essen? Wahnsinn.
Frischer Schafskäse, gegrilltes Gemüse, würzige Fleischgerichte und dieses unglaublich warme Brot, das überall serviert wird. Karin meinte irgendwann lachend: „Eigentlich essen wir hier den ganzen Tag.“
Ein echtes Highlight war die Burg Rozafa oberhalb der Stadt. Der Blick dort oben war atemberaubend. Links die Berge, rechts die Flüsse und unten die Stadt – Albanien zeigte uns schon nach wenigen Tagen, wie vielfältig dieses Land ist.
Kruje – Geschichte zum Anfassen
Von Shkoder ging es weiter nach Kruje. Die Fahrt dorthin war schon ein Erlebnis für sich. Immer wieder fuhren wir durch kleine Dörfer, vorbei an Olivenbäumen, Bergen und alten Mercedes-Autos, die scheinbar ewig halten.
Kruje fühlte sich sofort historisch an. Die kleine Altstadt mit ihren Steingassen wirkte fast wie aus einer anderen Zeit. Besonders der Basar hat uns begeistert. Dort gibt es Teppiche, handgemachte Souvenirs, traditionelle Kleidung und überall diesen Duft nach Holz, Gewürzen und Kaffee.
Nina kaufte sich dort ein kleines Armband mit albanischem Adler und trägt es bis heute.
Die Burg von Kruje war für uns einer der emotionalsten Orte der Reise. Dort spürt man richtig, welchen Stellenwert Nationalheld Skanderbeg für die Albaner hat. Obwohl wir vorher kaum etwas über die Geschichte des Landes wussten, hat uns genau das fasziniert: Albanien ist stolz auf seine Kultur und gleichzeitig unglaublich offen gegenüber Besuchern.
Was uns besonders auffiel: die Herzlichkeit der Menschen.
Immer wieder wurden wir gefragt, woher wir kommen. Als wir „Deutschland“ sagten, folgte fast immer ein Lächeln oder ein deutsches Wort. Viele Albaner haben Familie in Deutschland oder waren selbst schon dort. Dadurch entstanden ständig kleine Gespräche, obwohl wir uns oft nur halb verstanden.
Korçe – Unser heimlicher Lieblingsort
Und dann kam Korce.
Wenn wir ehrlich sind: Von allen Orten hat uns Korçe am meisten überrascht. Die Stadt wirkte fast ein bisschen französisch – breite Straßen, wunderschöne Fassaden und überall Musik, Cafés und junge Menschen.
Korçe hatte etwas Ruhiges und gleichzeitig unglaublich Lebendiges.
Abends saßen wir oft lange auf dem zentralen Platz, tranken Wein und beobachteten das Leben um uns herum. Nina spielte mit Kindern auf dem Platz, obwohl niemand dieselbe Sprache sprach. Kinder schaffen das einfach.
Ein besonderes Erlebnis war unser Besuch in einem kleinen traditionellen Restaurant außerhalb der Stadt. Dort wurde für uns gekocht, als wären wir Teil der Familie. Die Besitzerin brachte immer neue Teller an den Tisch und wollte ständig wissen, ob es uns schmeckt. Am Ende standen gefühlt zwanzig kleine Gerichte vor uns.
Irgendwann sagte Simon:
„Ich glaube, Albanien ist eines dieser Länder, die man nicht einfach nur besucht. Man erlebt sie.“
Und genau das trifft es perfekt. Albanien hat uns gezeigt, dass die schönsten Reisen oft dort beginnen, wo man noch keine festen Erwartungen hat. Für uns war diese Rundreise nicht einfach nur Urlaub – sie war ein echtes Erlebnis als Familie.